Leseprobe

Rave

Die Atmosphäre im Raum war geladen - wie meine Laserpistole, deren Lauf starr auf das bleiche Gesicht vor mir gerichtet war. Genau zwischen die Augen. Ich brauchte nur noch abzudrücken. Verdient hätte er es, denn er war ein Verräter, nichts weiter. Er konnte von Glück reden, dass sich das Blatt vor gerade mal fünfzehn Minuten gewendet hatte und somit sein Leben verschont blieb. Ich befand mich nicht mehr in der Position einem Circle den Garaus zu machen. Doch selbst, wenn alles noch beim Alten gewesen wäre, hätte ich den Abzug nicht betätigen können. Der Grund stand direkt neben ihm und blickte mich mit den großen Rehaugen an, so ängstlich und gleichzeitig so wissend, weil sie mir diese Tat ohne Weiteres zutrauen würde. Ob sie vor den Enthüllungen, die ihr dieser Mistkerl, der vier Schritte vor mir stand, unter die Nase gerieben hatte, auch so über mich gedacht hätte? Allein der Gedanke, was er damit angerichtet hatte, verwandelte das Blut in mir zu kochender Lava.

 

»Rave«, flüsterte sie. »Nimm die Pistole herunter. Bitte.« Ihr Betteln war für mich kaum auszuhalten, erst recht nicht, da sie für ihn bettelte.

 

Ich ignorierte ihr Flehen, konzentrierte mich ganz auf ihn und hielt meinen Arm weiterhin gestreckt. Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn und rannen ihm an den Schläfen hinab. Ich durfte ihn nicht töten, aber ihm ein bisschen Angst einzujagen konnte mir niemand verbieten. Er sollte ruhig ein wenig zittern. Das war das Mindeste, was er für seinen Verrat an uns verdient hatte.

 

»Trash«, sprach ich ihn mit dunkler Stimme an. »Oder soll ich dich besser Jaycee nennen? Oder vielleicht Aidan Warren?«

 

Neben mir gab Skiller ein höhnisches Schnauben von sich. »Ich hätte noch Fox im Angebot. So nennt er sich in den Circle-Kreisen.«

 

»Tss, so viele Namen … Kommt man da nicht durcheinander?«

 

»Rave«, versuchte Dan es erneut. »Bitte.«

 

»Anscheinend hast du heute den Jackpot gezogen«, spottete ich und maß ihn mit einem abfälligen Blick, ehe ich langsam die Pistole hinunter nahm und mit dem Kinn auffordernd Richtung Ausgang ruckte. »Ich gebe dir genau sechzig Sekunden, dann hast du deinen Arsch aus dieser Wohnung bewegt. Ansonsten helfe ich nach. Doch das wäre keine kluge Entscheidung, denn es könnte etwas ungemütlich für dich werden.« Meine Augen glitten demonstrativ zum Fenster, damit ihm klar war, wovon ich redete. »Aber du wärst auf jeden Fall schneller unten als mit dem Fahrstuhl«, fügte ich mit einem mokanten Lächeln hinzu.

 

»Ich gehe nicht ohne Dan.« Er hatte tatsächlich den Schneid noch Einwände zu erheben.

 

»Aidan«, zischte sie ihm warnend zu. »Mach, was er sagt.«

 

Mein Supergirl kannte mich wirklich gut.

 

»Danina lass mal meine Sorge sein, okay? Sie geht dich nichts an«, klärte ich ihn unmissverständlich auf, schob die Waffe ins Holster und stemmte abwartend die Hände in die Seiten. »Also was ist? Die Uhr tickt. Oder bist du etwa scharf darauf dich mit mir anzulegen?«